Glossar

Wissenswertes aus der Pfadfinderwelt

Affe

Rucksack in Tornisterform; die Bezeichnung „Affe“ begründet sich aus der häufig (künstlichen) Fellbespannung der äußeren Stoffklappe. Auf einer Wanderung konnten im „Affen“ alle notwendigen Utensilien verstaut  werden. Außen waren zusätzlich der eingerollte Schlafsack, Decken oder Zeltplanen gepackt und an Riemchen und Schnallen wurden das Kochgeschirr, die Trinkflasche oder Werkzeuge wie eine Axt oder Säge befestigt.

Da wir Cadenberger jedoch seltener Wanderungen unternommen haben, waren nur wenige unserer Pfadfinder im Besitz eines „zünftigen Affen“. Wichtiger war die Ausstattung mit guten Packtaschen für das Fahrrad.

Altes Gemeindehaus

Das in der Cadenberger Claus-Meyn-Straße gegenüber dem Pfarrhaus gelegene Gebäude wurde 1861 von der Kirchengemeinde gekauft. In diesem „Alten Gemeindehaus“ wurden verschiedene Räume von den kirchlichen Jugendgruppen genutzt. Auch wir Pfadfinder führten hier im oberen Stockwerk unsere Gruppentreffen  (Spielnachmittage, Bastelstunden oder Gespräche zu christlichen und anderen Themen) durch. Das Haus wurde 1965 abgerissen; an gleicher  Stelle entstand ein Neubau, der heute noch als Jugendheim der Evangelischen Kirchengemeinde genutzt wird.

Fahrtenmesser

Ein Messer gehörte zu unserer Zeit zur  „Grundausstattung“ jedes Pfadfinders. Es war quasi ein „Statussymbol“, das unterwegs durch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten bei Holz- und Knotenarbeiten, Reparaturen und bei der Zubereitung der Mahlzeiten geradezu unentbehrlich war. Die in einem Schaft am Gürtel oder an einer Schnalle getragenen Messer gab es in unterschiedlichen Größen, Ausführungen und Preislagen. Sie wurden zumeist durch den Versand über ein Geschäft mit Zubehör und Ausrüstungsgegenständen für Fahrten und Lager bezogen.

Tatsächlich sind uns aus der Cadenberger Pfadfinderzeit keine nennenswerten Beeinträchtigungen oder Verletzungen durch den unsachgemäßen Gebrauch von Messern bekannt.

Gesetzliche Regelungen bezüglich des Besitzes und Mitführens sowie zu Altersbeschränkungen wurden erst viele Jahre später eingeführt.

Gutspark Cadenberge

Der im nordöstlichen Teil der Gemeinde gelegene Gutspark der früheren  Grafen von Bremer (siehe auch Stichwort „Siedlung Graf Bremer“) wurde von uns Pfadfindern gern für kurze Ausflüge oder kleinere Geländespiele genutzt.

Die wesentliche Gestaltung des Gutsparks nach englischem Vorbild zu einem bedeutenden Zeugnis der Gartenkunst erfolgte im 19. Jahrhundert.
Seit langem schon werden Teile des Areals als Internat der Berufsbildenden Schulen und für Freizeit- und Gastronomie- Angebote genutzt.

Kommunikation

Heute ist es kaum noch vorstellbar, wie die Mitglieder einer Organisation in den sechziger Jahren ohne Email, Smartphone, IPhone und Tablet untereinander ihre Informationen ausgetauscht und Verabredungen getroffen haben.

So wurden Absprachen über Projekte oder Termine zumeist in den persönlichen Zusammenkünften auf den Gruppennachmittagen oder bei verabredeten oder zufälligen Treffen im Ort oder in der Schule getätigt.

Eine andere Informationsquelle war der Schaukasten der Christlichen Pfadfinder, der in Cadenberge in der Bahnhofstraße (auf halber Strecke neben dem damaligen Friseursalon Bensch – heute Einfahrt zur Polizeistation) angebracht war.

Hinweise auf Fahrten und Geländespiele wurden auch per Brief oder Postkarte verschickt; Vervielfältigungen entsprechender Schreiben konnten nur mit der damals üblichen Spirit-Carbon-Umdruck-Technik über das Sekretariat der Kirchengemeinde erstellt werden.

Für die Kommunikation der Gruppen während der Geländespiele gab es ein umfangreiches System von Wegezeichen, die per Stock in den Waldweg geritzt oder mit kleinen Steinen gelegt wurden. Einfach war die Richtungsanzeige per Pfeil; ein großes X stand für den falschen Weg, ein Dreieck für den Hinweis zum Zeltlager, ein Rechteck mit Kreis und Punkt in der Mitte bedeutete »Hier befindet sich eine (schriftliche) Botschaft« usw.

Die Bedeutung der Zeichen gehörte zu den Kenntnissen, die von den Pfadfindern in Übungen erworben werden mussten.

Kohte

Die Kohte gehört als Zeltform schon seit vielen Jahrzehnten zu den „Schwarzzelten“ der deutschen Jugendbewegung. Ihren Ursprung hat sie in den Zeltformen der finnischen Volksgruppe der Samen.

Einfach beschrieben besteht das Zelt aus vier zusammen geknüpften Baumwolltüchern (die gegen Regen und Wind imprägniert sein müssen) und vor Ort beim Zeltaufbau mit zwei Holzstangen und einem Holzkreuz aufgerichtet werden. Die Technik der geteilten Bahnen erleichterte den Transport (auf dem Fahrrad oder auf dem Rucksack); zugleich konnte durch die Verwendung von zusätzlichen Bahnen der Zeltaufbau „verfeinert“ werden (Vorzelt) und einzelne (oder zwei) Bahnen konnten auch als Kleinzelt (Biwakzelt) für die Übernachtung weniger Pfadfinder eingesetzt werden.

Eine Kohte (ohne Boden und mit einem Rauchabzugsloch in der Mitte) kann für die Übernachtung von sechs bis acht Personen genutzt werden.
Bei Bundeslagern und ähnlichen Veranstaltungen kamen auch die deutlich größeren Jurten als Übernachtungs-, Küchen- oder Versorgungszelte zum Einsatz. Die Bahnen der Jurten waren aus dem gleichen Material und funktionierten mit der gleichen Knüpftechnik wie die Kohten, allerdings hatten sie einen anderen Zuschnitt, durch den eine sehr viel größere Überdachungsfläche geschaffen  werden konnte.

Zum Materialbestand der Cadenberger Pfadfinder gehörten mehrere Kohten-Bahnen, jedoch keine Jurte.

Lilie

(Das Pfadfinderabzeichen)

Die Lilie ist neben dem Kleeblatt ein zentrales Symbol der Pfadfinderbewegung. In den  jeweiligen Verbänden wird das Motiv in unterschiedlichen Varianten dargestellt; zumeist handelt es sich jedoch um eine silberne Lilie auf violettem Grund.

Die Verwendung der Lilie als Pfadfinderabzeichen geht zurück auf den Gründer der Pfadfinderbewegung Robert Baden-Powell, der seinerzeit die Kompasslilie für ein geeignetes Symbol hielt. (Früher war auf den in der Seefahrt verwendeten Kompassen die Kompassrose zur Anzeige der Himmelsrichtungen mit einer Lilie geschmückt). Baden-Powell wollte einen Zusammenhang zwischen dem Navigieren und der Orientierung auf dem Pfad des Lebens zum Ausdruck bringen.

Mundorgel

Die Mundorgel ist eine Liedersammlung im Format eines Heftes, das in der Hemdtasche mitgeführt werden konnte. Die erste Zusammenstellung der Lieder erfolgte Anfang der fünfziger Jahre im Umfeld des Christlichen Vereins Junger Männer/Menschen (CVJM) im Bereich Köln. Das Ziel war es, dass Jugendliche auf Fahrten und im Lagerleben beim gemeinsamen Gesang nicht immer nur die ersten Zeilen oder die erste Strophe von Liedern mitsingen konnten.

Die Auswahl der Lieder veränderte sich über die Jahre deutlich. Zunächst enthielt die Mundorgel auch noch viele Fahrten- und Wanderlieder der (bündischen) Jugendbewegung, die in der Nazizeit von der faschistischen Hitler-Jugend vereinnahmt wurden. Davon wurden etliche Titel in den folgenden Überarbeitungen aus der Sammlung gestrichen; ebenso wie andere Lieder mit rassistischen oder militärisch geprägten Inhalten.

Heute finden sich im Inhaltsverzeichnis auch Songs wie Bob Dylans „Blowing in the wind“ oder Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“.

In unserer Pfadfinderzeit wurden gern sowohl die „Gassenhauer“ wie „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ und „Aus grauer Städte Mauern“ als auch „typische“ Pfadfinderlieder wie „“Wir lieben die Stürme“, „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ und die „Die Lappen hoch“ gesungen. Beliebt waren auch die stimmungsvollen Abendlieder, die zum Abschluss des Tages am Lagerfeuer gesungen wurden.

Die frühen Ausgaben des Heftes enthielten ausschließlich die Texte der Lieder; später wurden auch Noten für die Melodien und Hinweise auf Akkorde für die Gitarrenbegleitung abgedruckt.

Zum Glück fanden sich in unserer Pfadfinderzeit in Cadenberge immer ein, zwei oder drei Freunde, die bereits Gitarre spielen konnten, die die Lieder anstimmten und auch anderen Pfadfindern gern die Grifftechnik für die Akkorde erklärten.

Pfadfindergruß

Beim Pfadfindergruß, der auch international üblich ist, wird die rechte Hand bis etwa auf Schulterhöhe angehoben. Dabei weisen Zeige-, Mittel- und Ringfinger nach oben und der Daumen legt sich auf den kleinen Finger.

Die von uns in den Pfadfinderproben gelernte Erklärung dafür lautete: Die drei mittleren Finger zeigen zu Gott und der Große (Daumen) schützt den Kleinen (kleiner Finger).

Als Grußformel ausgesprochen werden dazu im deutschprachigen Raum die Worte „Gut Pfad“ oder „Allzeit bereit!“.

Pfadfinderversprechen

Quasi als ein Bekenntnis zu den Idealen der Organisation wird von allen Mitgliedern ein Pfadfinderversprechen abgelegt. In der Wortwahl gibt es für dieses Bekenntnis in den verschiedenen Pfadfinderbünden unterschiedliche Varianten. Im Kern beziehen sich die Texte jedoch alle auf eine ursprünglich von Baden-Powell formulierte Fassung.

In unserer Cadenberger Zeit lautete das Pfadfinderversprechen:

“Im Vertrauen auf Gottes Hilfe, verspreche ich meinem Volk und Vaterland zu dienen, dem Nächsten zu helfen und das Pfadfindergesetz zu erfüllen“.
Später wurde die Passage „Volk und Vaterland“ geändert. Beim Verband der Christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) heißt es heute:
„Im Vertrauen auf Gottes Hilfe will ich christliche Pfadfinderin/christlicher Pfadfinder sein und nach unseren Regeln mit Euch leben.“

Siedlung Graf Bremer

In der Organisation der Pfadfinderarbeit wird die kleinste Gruppe als Sippe bezeichnet; die Mitglieder geben sich dafür selbst einen Namen. In Cadenberge gab es Bezeichnungen zum Beispiel aus der Vogelwelt (Sippe „Sperber“ und Sippe „Bussard“). Die seinerzeit in der jüngsten hiesigen Gruppe zusammengeschlossenen Pfadfinder hatten sich origineller Weise den Sippen-Namen „Ei“ gegeben.

Mehrere Sippen bildeten gemeinsam den Stamm oder die Siedlung. Im Cadenberge der sechziger Jahre wurde für den Zusammenschluss aller Pfadfinder der Name Siedlung „Graf Bremer“ fortgeführt.

Laut den Akten im Archiv des Landkreises Cuxhaven waren die von Bremers seit dem 15. Jahrhundert in Cadenberge ansässig. Sie gehörten zu den wenigen Großgrundbesitzern im Elbe-Weser-Raum  und wurden im Jahr 1830 in den Grafenstand erhoben.

Das im Bereich des Gutsparks gelegene zweigeschossige Herrenhaus, das als „Rittergut“ und „Schloss Cadenberge“ bezeichnet wurde, steht heute unter Denkmalschutz.

St. Nicolai Kirche Cadenberge

Als Mitglieder des Verbandes der Christlichen Pfadfinder (VCP) waren wir natürlich der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde in besonderer Weise verbunden. Sowohl hinsichtlich des Wertesystems – die Grundlage unserer Pfadfinderarbeit bildete der christliche Glaube – als auch in Bezug auf die organisatorische und finanzielle Anbindung. Unsere Gruppen trafen sich im Evangelischen Jugendheim. Viele Anschaffungen und die Durchführung von Unternehmungen wäre ohne die Unterstützung der Kirchengemeinde nicht möglich gewesen. Und letztlich haben Pfadfindergruppen oder einzelne Pfadfinder auch an den Gottesdiensten und Aktivitäten der Kirchengemeinde oder an entsprechenden Angeboten auf den Fahrten und in den Lagern teilgenommen.

Die Cadenberger St. Nicolai Kirche, wurde erstmals um 1319 urkundlich erwähnt. Von 1742 bis 1752 erfolgte auf den Grundmauern ein größerer Neubau aus Ziegeln als rechteckige Saalkirche. 1732 wurde der freistehende, hölzerne, westliche Glockenturm errichtet.

In den Jahren von 1962 bis 1965 wurde die Kirche renoviert.

Tracht

In den 1920er Jahren wurde in der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands das graue Hemd als wichtiger Teil der Tracht eingeführt. Wenig später kam die Kreuzlilie hinzu, eine Verbindung aus dem Kreuz der deutschen, christlichen Jugendbewegung und der Pfadfinderlilie aus England. Die Kreuzlilie wird nach dem Zweiten Weltkrieg das Zeichen des ganzen Bundes der CP. (Das blaue Buch „Kreuz und Lilie“ der CP).

Zur Tracht zählte außerdem das blaue Halstuch.

Beliebt war auch die so genannte „Jungenschaftsjacke“ (Juja) aus dunkelblauem oder schwarzem Baumwollstoff. Und manche Pfadfinder waren auch gern mit einer Kopfbedeckung, wie dem Barrett (eine Art Baskenmütze), dem Schiffchen oder einem Pfadfinderhut, wie er vom Gründer der Pfadfinderbewegung Robert Baden-Powell getragen wurde, unterwegs.